Archiv für Dezember 2009

Traditionelle griechische Bräuche (1): Streik

Dezember 14, 2009

Unter den vielen griechischen Traditionen ist der Streik wohl eine der ältesten und gleichzeitig die am liebevollsten gepflegte. Seit der Antike wird in Greichenland gestreikt. In Sparta und Athen streikten in der Antike bereits die Frauen der Krieger, um Ihre Männer mit dem Liebesentzug zum Frieden untereinander zu zwingen. Diese Tradition hat sich bis heute erhalten,  die hehren Ziele allerdings sind auf der Strecke geblieben.

Heute streikt in Griechenland jeder zu jedem Anlass. Mal streiken die Beamten, mal die Lehrer, mal die Hafenarbeiter, mal die Kioskbesitzer oder die Taxifahrer. Die einen streiken für Lohnerhöhungen, die anderen für kürzere Arbeitszeiten. Am öftesten wird gegen die Ungerechtigkeit gestreikt, die offensichtlich in Griechenland am größten zu seien scheint.

Es gibt mittlerweile einen offziellen Streikkalender, damit sich die Streikenden vor dem Parlament nicht gegenseitig auf den Füssen stehen. Die Streikwochen werden nur durch Randalewochen unterbrochen, wenn die Strassen zum Anzünden von den Schülern und Studenten gebraucht werden. Manchmal, wenn die Griechen besonders streitsüchtig sind, wird sogar gleichzeitig gestreikt und randaliert.

So auch letzte Woche in Athen. Eigentlich wollten die Müllfahrer streiken. Allerdings hatten sie bei ihrer Planung offensichtlich nicht in den Ranadalekalender geschaut. Dort hätten Sie nämlich gesehen. dass das erste Dezemberwochenende bereits für die Randale der Schüler und Studenten reserviert war. In letzter Minute konnten die Streikenden und Randalierer noch einen Kompromiss erzielen: Die Randalierer versprachen hoch und heilig nicht die liegen gelassenen Mülltüten sondern nur selbst mitgebrachte Molotow-Cocktails anzuzünden.

Man stelle sich mal vor. Die Müllfahrer lassen un mühevoller Nichtarbeit alle Mülltüten fein säuberlich auf den Gehsteigen stehen, damit die Athener hierdurch auf die unerträglichen und buchstäblich zum Himmel stinkenden Arbeitsbedingungen der Müllfahrer aufmerksam werden. Und die jungen unerfahrenen Demonstranten verbrennen eben diese Mülltüten, um auf ihre brennende Wut aufmerksam zu machen.

Die Probleme der Athener wären quasi verpufft. Das wäre ein wahres Fest der Schadenfreude für jeden konservativen Streik- und Randalemuffel geworden. Die (nicht streikenden und nicht randalierenden) Athener hätten sich gemeinsam vor den brennenden Müllhaufen versammelt, gesungen, geklatscht und sich die Hände gewärmt.

Gerade noch rechtzeitig hat dann aber ein Gericht den Streik verboten und so konnten Randalierer und Streikende ihre Arbeit fortführen ohne ihr Gesicht zu verlieren.